Teste deine Idee in Nutzerinterviews: So stellst du die richtigen Fragen

Nutzerinterviews verraten dir, ob deine Idee Marktpotential hat und wirklich bei deiner Zielgruppe ankommt. Im Design Sprint kommen sie an Tag 4 zum Einsatz und liefern klares, praktisches Feedback. Wie du ein solches Interview vorbereitest und passende Testpersonen findest, kannst du in diesem Artikel nachlesen. Jetzt geht es um die richtige Interviewführung und Fragen, die Antworten liefern, die dich – und deine Idee – weiterbringen.

So führst du durchs Interview

Design-Sprint-Gründer Jake Knapp empfiehlt für Nutzertest das von Google Ventures definierte „5 Act Interview“, das sich in 5 aufeinanderfolgende Phasen gliedert.

  1. Freundliches Willkommen

Testnutzerin für Teilnahme danken, mit entspanntem Small Talk starten, Hintergründe erklären und beschreiben, wie das Interview ablaufen wird, Unsicherheiten nehmen und betonen, dass der Prototyp getestet wird – nicht die Testerin.

  1. Kontextfragen stellen (dauert ca. 10 Minuten)

Stell leicht zu beantwortende Fragen zum Leben der Testerin, um locker ins Gespräch einzusteigen und gleichzeitig Lebensstil und Gewohnheiten deiner Zielgruppe besser kennenzulernen. Hier sollte auch auf Interessen hingeleitet werden, die für die zu testende Idee relevant sind.

Beispiel „Hobby-Fußballer“: Als was arbeiten Sie? Was tun Sie, wenn Sie nicht arbeiten? Welche Hobbys haben Sie? Was bedeutet ihr Hobby, der Fußball für Sie?

  1. Den Prototyp vorstellen

Die Testerin bekommt den Prototyp direkt in die Hand. Sag ihr, dass Sie ihn nach Belieben, frei und ohne Scheu nutzen kann. Betone noch einmal, dass Sie nichts falsch machen kann, alle Antworten hilfreich sind und bitte Sie, während des Tests laut zu denken.

  1. Aufgabe stellen

Um ein möglichst realistisches Testszenario herzustellen, solltest du der Testerin eine Aufgabe geben – zum Beispiel: „Stellen Sie sich vor, Sie kommen in diesen Shop und wollen ein Paar Sneakers bestellen.“ Oder: „Sie kommen auf diese Seite und wollen sich erst einmal informieren, worum es geht.“ Bitte sie erneut, laut zu denken während sie die Aufgabe durchspielt und stell im Prozess immer wieder Fragen zu dem, was Sie tut. Zum Beispiel: „Was würden Sie auf dieser Seite machen?“ oder „Was glauben Sie, was dieser Button bedeutet?“

  1. Kurzer Debrief

Im Debrief nach dem Nutzertest, fasst die Testerin ihre Gefühle und Eindrücke noch einmal zusammen. Frag Sie: „Jetzt, wo Sie sich das Produkt angeschaut haben: Was denken Sie darüber?“ oder „Was hat ein positives/negatives Gefühl bei Ihnen hinterlassen?“ oder „Wenn wir das Produkt zum besten Produkt aller Zeiten machen wollen würden – was müssten wir verändern?“

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So stellst du zielführende Fragen

Wer sich wertvolle Antworten wünscht, muss die richtigen Fragen stellen. So geht’s:

  • Du führst das Interview im Rahmen eines Design Sprints durch? Super, dann erinnere dich an die Sprint-Fragen, die zu Beginn definiert wurden. Sie sind die perfekte Grundlage für deine Interviewfragen.
  • Bereite einen Fragenkatalog vor, in dem du zunächst das Ziel des Testings definierst. Überlege dir darauf basierend einführende Fragen, mit denen du die Testerin besser kennenlernst, Fragen zu den einzelnen Bestandteilen deines Prototyps/Produkts und abschließende Fragen, die sich auf das Produkt im Allgemeinen und seine Architektur beziehen.
  • Das Interview soll sich für die Testerin natürlich anfühlen. Klammer dich also nicht an die Reihenfolge in deinem Fragenkatalog, sondern folge zunächst dem Redefluss deiner Testerin. Wenn dir noch Infos fehlen, frag später nach.
  • Stell offene Fragen („Wie finden Sie das?“) anstatt geschlossener („Finden Sie das gut?“). Du willst schließlich so viele Informationen wie möglich bekommen und die Perspektive der Testerin verstehen.
  • Leg deiner Testerin keine Antworten in den Mund oder interpretiere Dinge für Sie. Du bist an ihrer unbeeinflussten Meinung interessiert.
  • Fragen wie „Würden Sie jetzt diesen Button drücken?“ liefern unzuverlässige Ergebnisse. Was sie vermutlich tun würde, ist irrelevant. Beobachte lieber, was deine Testerin im Rahmen einer Aufgabe tatsächlich macht.
  • Fragen, ohne zu fragen: Manchmal macht es Sinn, die Testerin Sätze ergänzen zu lassen. Das sollte möglichst natürlich wirken, so als würdest du selber gerade über eine Antwort nachdenken. Beispiel: Du deutest auf einen Button im Prototyp und sagst: „Hier würden Sie jetzt…“. Gib der Testerin ein wenig Zeit, um „einzuspringen“.
  • Deine Testerin ist besonders ruhig? Vielleicht traut Sie sich nicht, negatives Feedback zu äußern. Erinnere Sie daran, dass Negatives für dich besonders hilfreich ist und du jede Anmerkung wertschätzt.

 

Wie das ideale Setting für Nutzerinterviews aussieht und wie du Testpersonen findest, erklären wir im Artikel „Teste deine Idee in Nutzerinterviews: So findest du Testnutzer und gestaltest das Interview-Set-up“.

 

Happy interviewing! 

 

Quelle: 5 Act Interview by Google Ventures / Jake Knapp